Was kosten 0900-, 0810- und 0820-Nummern wirklich?

Redaktion Wer hat angerufen? · Stand 25.7.2026

0810, 0820, 0900 – kaum ein Bereich des österreichischen Nummernplans sorgt für so viel Unsicherheit wie die Service- und Mehrwertnummern. Dabei ist die Rechtslage erfreulich klar: Die Kommunikationsparameter-, Entgelt- und Mehrwertdiensteverordnung (KEM-V 2009) legt für jede Gasse eine harte Tarifobergrenze fest, und vor teuren Diensten muss eine Preisansage stehen. Dieser Ratgeber übersetzt die Obergrenzen in Klartext und erklärt, was Sie bei überraschenden Posten auf der Telefonrechnung tun können. Eine konkrete Nummer ordnen Sie am schnellsten hier ein:

Das System dahinter: Die Gasse bestimmt den Preisdeckel

In Österreich verrät die Vorwahl nicht nur die Herkunft einer Nummer, sondern auch, was ein Anruf maximal kosten darf. Die KEM-V teilt Dienstenummern in Gassen ein und deckelt jede einzeln – vom kostenlosen 0800-Bereich bis zur Premium-Gasse 0900. Wer die Staffel einmal gesehen hat, erkennt eine Kostenfalle künftig auf den ersten Blick:

Dazu kommen zwei eventtarifierte Gassen, die pro Anruf statt pro Minute abrechnen: 0821 mit höchstens 20 Cent pro Anruf und 0901 (sowie 0931) mit höchstens 10 Euro pro Anruf. Die vollständige Staffel:

GasseObergrenze laut KEM-VTypische Nutzung
0800gratiskostenlose Service-Hotlines
0810max. 10 Cent/minKundendienste
0820max. 20 Cent/minKundendienste, Bestell-Hotlines
0821max. 20 Cent pro Anrufeventtarifierte Dienste
0900/0930max. 3,64 Euro/minzeittarifierte Mehrwertdienste
0901/0931max. 10 Euro pro Anrufeventtarifierte Mehrwertdienste, Voting
0939Dialer-BereichDatendienste, äußerste Vorsicht
05max. wie geografischer Tarifprivate Netze (Banken, ÖBB u. a.)

Zwei häufige Missverständnisse räumt die Tabelle gleich mit ab: 05-Nummern sind keine Mehrwertdienste, sondern private Netze großer Organisationen mit normalem Tarifdeckel. Und 0720 fehlt bewusst in der Liste – der VoIP-Bereich darf ebenfalls nur wie ein geografisches Gespräch verrechnet werden und ist keine Kostenfalle, auch wenn er wegen seiner Spam-Anfälligkeit oft in einem Atemzug genannt wird.

Der Haken bei 0810 und 0820: die Inklusivminuten

10 oder 20 Cent pro Minute klingen harmlos, und verglichen mit 0900 sind sie es auch. Der praktische Ärger entsteht woanders: Anrufe zu 0810- und 0820-Nummern sind in den meisten Handytarifen nicht in den Inklusivminuten enthalten und werden separat verrechnet. Wer eine halbe Stunde in der Warteschleife einer 0820-Hotline hängt, zahlt bis zu sechs Euro – trotz „unlimitierter“ Freiminuten. Viele Unternehmen bieten parallel eine geografische Nummer oder eine 05-Nummer an; ein Blick auf die Website des Anbieters vor dem Anruf spart bares Geld.

Ihr Recht auf die Preisansage

Bei Mehrwertdiensten schreibt die KEM-V eine Preisansage vor: Bevor die Verrechnung beginnt, muss Ihnen der Tarif kostenlos angesagt werden. Erst danach darf der Zähler laufen. Das gibt Ihnen eine echte Ausstiegschance – wer nach der Ansage auflegt, zahlt nichts. Fehlt die Ansage, nennt sie einen anderen Preis als verrechnet oder ist sie unverständlich, haben Sie ein starkes Argument gegen die Forderung in der Hand. Notieren Sie in solchen Fällen Nummer, Datum und Uhrzeit des Anrufs.

Überraschend hohe Rechnung: So gehen Sie vor

  1. Einzelentgeltnachweis anfordern: Verlangen Sie von Ihrem Betreiber die Aufschlüsselung, welche Nummer wann und wie lange verrechnet wurde.
  2. Posten schriftlich beanstanden: Richten Sie die Beanstandung an Ihren Betreiber und schildern Sie den Sachverhalt – etwa eine fehlende Preisansage.
  3. Schlichtungsstelle der RTR anrufen: Bleibt der Betreiber bei seiner Forderung, steht Ihnen das kostenlose Schlichtungsverfahren der RTR als außergerichtliche Streitbeilegung offen.
  4. Missbrauch melden: Wurde die teure Nummer per Lockanruf oder Täuschung untergeschoben, melden Sie sie der RTR-Meldestelle für Rufnummernmissbrauch (Web-Formular auf rtr.at). Wie die Lockanruf-Masche funktioniert, zeigt der Ratgeber Ping-Anrufe und Lockanrufe.

Zum Schluss der wichtigste Grundsatz: Prüfen statt raten. Ob hinter einer Nummer eine gedeckelte Servicegasse, ein Premium-Dienst oder ein gewöhnlicher Anschluss steckt, sehen Sie in Sekunden über die Rückwärtssuche oben oder im Vorwahl-Verzeichnis. Und ob eine Nummer bereits durch Beschwerden aufgefallen ist, verrät das Spam-Barometer mit RTR-Missbrauchsstatistik und Community-Meldungen.

Häufige Fragen

Was darf eine 0900-Nummer maximal kosten?

Zeittarifierte 0900- und 0930-Nummern dürfen laut KEM-V höchstens 3,64 Euro pro Minute kosten. Eventtarifierte 0901- und 0931-Nummern dürfen höchstens 10 Euro pro Anruf verrechnen. Vor der Verrechnung muss eine kostenlose Preisansage erfolgen.

Sind 0810 und 0820 Mehrwertnummern?

Es sind gedeckelte Servicenummern: 0810 kostet maximal 10 Cent pro Minute, 0820 maximal 20 Cent pro Minute, 0821 maximal 20 Cent pro Anruf. Achtung: Diese Anrufe sind in Handytarifen meist nicht in den Inklusivminuten enthalten.

Was ist die Preisansage und wann muss sie kommen?

Bei Mehrwertdiensten muss Ihnen der Preis vor Beginn der Verrechnung kostenlos angesagt werden. Fehlt die Preisansage oder ist sie falsch, ist das ein starkes Argument, die Forderung beim Betreiber schriftlich zu beanstanden.

Auf meiner Rechnung steht ein teurer Mehrwertdienst, den ich nicht kenne – was tun?

Beanstanden Sie den Posten schriftlich bei Ihrem Betreiber und verlangen Sie einen Einzelentgeltnachweis. Führt das zu keiner Lösung, können Sie das kostenlose Schlichtungsverfahren der RTR-Schlichtungsstelle einleiten. Missbräuchlich genutzte Nummern melden Sie zusätzlich der RTR-Meldestelle für Rufnummernmissbrauch.

Was kosten Anrufe zu 05-Nummern?

05-Nummern gehören zu privaten Netzen großer Organisationen wie Banken oder der ÖBB. Sie dürfen maximal so viel kosten wie ein Anruf zu einer geografischen Nummer – sie sind also keine Kostenfalle, zählen aber je nach Tarif nicht immer zu den Inklusivminuten.