Rufnummernmissbrauch bei der RTR melden

Redaktion Wer hat angerufen? · Veröffentlicht · Aktualisiert

Österreich hat für missbräuchlich verwendete Rufnummern eine eigene Anlaufstelle: die Meldestelle für Rufnummernmissbrauch der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR). Sie ist kostenlos, dauert wenige Minuten – und wird von den meisten Betroffenen nicht genutzt, weil unklar ist, was sie überhaupt bewirkt. Dieser Ratgeber zeigt, was die RTR kann, was sie nicht kann, und wie eine Meldung aussehen muss, damit sie etwas auslöst.

Was die RTR darf

Die RTR verwaltet den österreichischen Nummernplan. Aus dieser Zuständigkeit folgt ihr Instrumentarium: Sie kann einem Betreiber die Sperre einer Rufnummer auftragen, die Zuteilung widerrufen und damit die Nummer zurückfordern, und sie kann untersagen, dass für die betroffenen Verbindungen abgerechnet oder Inkasso betrieben wird. Der letzte Punkt ist der für Betroffene wertvollste: Er greift dort, wo bereits Kosten entstanden sind.

Was die RTR ausdrücklich nicht ist: eine Strafverfolgungsbehörde. Sie holt kein Geld zurück, ermittelt keine Täter und ersetzt keine Anzeige. Wer Geld verloren hat, braucht beide Wege parallel.

Wie viel gemeldet wird – die RTR-Zahlen

Die RTR veröffentlicht, wie viele Meldungen bei ihr eingehen. Wir spiegeln diese Statistik; sie ist die einzige belastbare Mengenangabe zum Thema in Österreich.

Meldekategorie2021202220232024
Betrugsanrufe23 55636 16613 20015 555
Missbrauch der eigenen Rufnummer55110 3548 329
SMS32 8622 8718 2786 365

Quelle: RTR, Meldungen an die Meldestelle für Rufnummernmissbrauch. Laufend aktualisiert im Spam-Barometer.

Zwei Dinge sind an dieser Tabelle bemerkenswert. Erstens schwanken die Zahlen stark von Jahr zu Jahr – sie messen Meldebereitschaft und Betrugswellen zugleich, nicht das tatsächliche Anrufaufkommen. Zweitens ist die Kategorie „Missbrauch der eigenen Rufnummer“ erst seit wenigen Jahren nennenswert besetzt: Das sind Anschlussinhaber, deren Nummer von Dritten als Absender vorgetäuscht wird. Zum Hintergrund dieser Masche siehe unseren Ratgeber Spoofing.

Schritt für Schritt melden

1. Bevor Sie auflegen: notieren

Die vollständige angezeigte Rufnummer mit Vorwahl, Datum und Uhrzeit, die ungefähre Dauer, und in einem Satz, worum es ging – welche Firma oder Behörde genannt wurde, was gefordert wurde. Ohne die Nummer kann die RTR nichts tun, denn ihr Zugriff läuft ausschließlich über die Rufnummer.

2. Die richtige Kategorie wählen

Das Formular unterscheidet unter anderem betrügerische Anrufe, missbräuchliche SMS und den Missbrauch der eigenen Rufnummer. Die Zuordnung steuert, welche Stelle den Fall bearbeitet – wählen Sie sie sorgfältig statt „Sonstiges“.

3. Sachlich schildern

Ein knapper, nüchterner Ablauf hilft mehr als eine Empörungsschilderung. Nennen Sie Wortlaut-Details, an die Sie sich sicher erinnern: den genannten Firmennamen, eine angegebene Rückrufnummer, den behaupteten Anlass. Solche Details sind es, die Meldungen verschiedener Personen zum selben Verfahren zusammenführen.

4. Kosten separat behandeln

Wenn Ihnen etwas verrechnet wurde, beanstanden Sie die Rechnungsposition zusätzlich schriftlich bei Ihrem Betreiber – und zwar fristgerecht. Bleibt der Betreiber hart, ist die Schlichtungsstelle der RTR zuständig. Sie ist ein getrenntes Verfahren von der Meldestelle und kostenlos.

Wohin sonst noch – und wofür

Polizei. Bei Vermögensschaden, Erpressung oder wenn Sie Daten preisgegeben haben. Anzeige ist auch online möglich; wichtig ist die Zeitnähe.

Bank. Sofort, wenn Zahlungsdaten, TAN oder eine App-Freigabe im Spiel waren. Sperren geht rund um die Uhr, jede Stunde zählt.

Watchlist Internet. Die Warnplattform des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation dokumentiert laufende Betrugswellen. Dort sehen Sie meist innerhalb von Tagen, ob eine Masche gerade grassiert.

Arbeiterkammer und Verein für Konsumenteninformation. Für Rechtsfragen rund um untergeschobene Verträge und strittige Rechnungen.

Was Sie sich sparen können

Rückrufe, „um zu sehen, wer das war“. Sie bestätigen damit nur, dass Ihr Anschluss aktiv ist – und bei Lockanrufen ist genau der Rückruf die Kostenfalle, wie im Ratgeber Ping-Anrufe beschrieben. Ebenso wenig bringt es, den Anrufer zur Rede zu stellen: Am Apparat sitzt ein Callcenter-Mitarbeiter ohne Entscheidungsbefugnis, oft im Ausland. Prüfen Sie die Nummer stattdessen über die Rückwärtssuche und melden Sie sie.

Quellen

Weiterlesen: Spoofing erkennen · Falsche Polizei- und Bankanrufe · Spam-Barometer Österreich

Häufige Fragen

Was kostet eine Meldung bei der RTR?

Nichts. Die Meldestelle für Rufnummernmissbrauch ist für Konsumentinnen und Konsumenten kostenlos, es gibt kein Verfahrensrisiko und keine Kostenfolge.

Bekomme ich eine Antwort auf meine Meldung?

Die RTR führt ein Aufsichtsverfahren gegen den Rufnummerninhaber oder den Betreiber, nicht ein Verfahren für Sie persönlich. Eine individuelle Rückmeldung zum Ausgang ist deshalb nicht garantiert. Wirksam ist die Meldung trotzdem, weil erst die Häufung gleichlautender Meldungen zu einer Nummer eine Maßnahme auslöst.

Ich habe Geld verloren – reicht die Meldung bei der RTR?

Nein. Die RTR ist Telekom-Regulierungsbehörde und kann Rufnummern sperren oder die Verrechnung untersagen, aber kein Geld zurückholen und keine Straftat verfolgen. Erstatten Sie zusätzlich Anzeige bei der Polizei und informieren Sie sofort Ihre Bank.

Meine eigene Nummer wird von Betrügern angezeigt. Kann ich das melden?

Ja, das ist bei der RTR eine eigene Meldekategorie – „Missbrauch der eigenen Rufnummer“. Sie sind in diesem Fall selbst betroffen und nicht verantwortlich für die Anrufe, die unter Ihrer Nummer geführt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Meldestelle und Schlichtungsstelle?

Die Meldestelle verfolgt den Missbrauch einer Rufnummer im öffentlichen Interesse. Die Schlichtungsstelle der RTR behandelt Ihren konkreten Streit mit einem Betreiber, etwa über eine strittige Rechnungsposition. Bei Kosten aus einem Lockanruf sind oft beide Wege sinnvoll.