Falsche Anrufe: Polizei, Bank, Microsoft

Redaktion Wer hat angerufen? · Veröffentlicht · Aktualisiert

Die vier Maschen auf dieser Seite unterscheiden sich in der Kulisse, aber nicht im Aufbau. Immer wird eine Autorität vorgetäuscht, immer entsteht künstlicher Zeitdruck, und immer sollen Sie etwas tun, bevor Sie mit jemandem sprechen können. Wer das Muster kennt, erkennt auch eine Variante, die hier noch nicht steht.

Der falsche Polizist

Am Apparat ist ein angeblicher Beamter, oft mit Dienstnummer und amtlichem Tonfall. Der Anlass wechselt: eine Einbrecherbande in Ihrem Bezirk, ein Ermittlungsverfahren, ein bei einem Festgenommenen gefundener Zettel mit Ihrer Adresse. Das Ziel ist immer dasselbe – Bargeld, Schmuck oder Sparbücher sollen „zur sicheren Verwahrung“ übergeben oder an einem vereinbarten Ort deponiert werden.

Der Prüfstein ist einfach und braucht kein juristisches Wissen: Die österreichische Polizei holt niemals Wertsachen ab. Es existiert kein solches Verfahren. Häufig erscheint dabei 133 oder eine echte Dienststellennummer im Display – beides ist fälschbar, und 133 als Anrufernummer ist technisch ausgeschlossen. Näheres dazu im Ratgeber Spoofing.

Der falsche Bankmitarbeiter

Hier ist die Kulisse eine verdächtige Abbuchung, ein gehacktes Konto oder eine angeblich laufende betrügerische Überweisung, die „gestoppt“ werden müsse. Die geforderten Handlungen sind erkennbar: eine TAN durchsagen, eine Freigabe in der Banking-App bestätigen, oder Geld auf ein angeblich sicheres „Auffangkonto“ überweisen.

Keine österreichische Bank verlangt eine dieser Handlungen am Telefon. Eine TAN oder App-Freigabe autorisiert immer eine Transaktion – sie kann keine verhindern. Wer Sie zu einer Freigabe drängt, um eine Abbuchung zu stoppen, beschreibt einen technischen Vorgang, den es nicht gibt. Legen Sie auf und rufen Sie über die Nummer auf Ihrer Karte zurück.

Der falsche Microsoft-Support

Ein englisch- oder gebrochen deutschsprachiger Anrufer meldet einen Virus, eine Lizenzverletzung oder „verdächtige Aktivität“ auf Ihrem Computer. Er lotst Sie zur Installation einer Fernwartungssoftware, zeigt Ihnen anschließend harmlose Systemmeldungen als angebliche Schadsoftware und verlangt Geld für die „Bereinigung“ – häufig per Gutscheinkarte oder Überweisung.

Microsoft, Apple und Internetanbieter rufen nicht unaufgefordert wegen Virenbefall an. Sie haben keine Möglichkeit, den Zustand Ihres privaten Rechners zu sehen, und sie täten es auch nicht per Telefon. Die Zahlungsaufforderung per Gutscheinkarte ist in keinem legitimen Geschäftsverkehr üblich und für sich genommen ein sicheres Betrugsmerkmal.

Der Enkeltrick und seine Messenger-Variante

Klassisch am Telefon: eine weinende Stimme, ein Unfall, ein dringender Geldbedarf, und die Aufforderung, niemandem davon zu erzählen. Die moderne Variante läuft über Messenger – „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“ – und endet bei einer angeblich dringenden Überweisung. Die Emotionalisierung ersetzt hier die Autorität, das Muster bleibt identisch.

Der Gegenzug: Rufen Sie die Person unter der Ihnen bekannten alten Nummer zurück. Vereinbaren Sie in der Familie eine Kontrollfrage, die nur echte Angehörige beantworten können. Und behandeln Sie jede Bitte um Geheimhaltung gegenüber der Familie als das, was sie ist – Teil der Masche.

Die vier Warnzeichen im Überblick

Drei Kontrollfragen, wenn Sie unsicher sind

Kann ich auflegen und selbst zurückrufen? Wenn die Antwort des Anrufers darauf ausweichend ist – „dafür ist keine Zeit“, „die Leitung darf nicht unterbrochen werden“ –, ist der Fall entschieden. Jede echte Stelle akzeptiert einen Rückruf auf einer von Ihnen gewählten Nummer.

Verlangt jemand etwas, das eine echte Stelle nie verlangen würde? Bargeld, Schmuck, eine TAN, ein Passwort, eine Freigabe in der Banking-App, Gutscheincodes, Fernzugriff auf den Computer. Jeder einzelne dieser Punkte beendet das Gespräch.

Soll ich schweigen? Die Aufforderung, mit niemandem zu sprechen – nicht mit der Familie, nicht am Bankschalter – hat in einem legitimen Vorgang keinen Platz. Sie dient allein dazu, die eine Person auszuschalten, die den Betrug bemerken würde.

Wenn es passiert ist

Kontakt zur Bank noch in derselben Stunde – Sperre von Karten und Zugängen ist rund um die Uhr möglich. Anzeige bei der Polizei, auch bei kleinen Beträgen und auch wenn Ihnen die Sache unangenehm ist; ohne Anzeige gibt es kein Verfahren und keine Chance auf Rückbuchung. Danach die Rufnummer bei der RTR melden – der Ablauf steht im Ratgeber Rufnummernmissbrauch bei der RTR melden. Und sprechen Sie darüber: Diese Maschen funktionieren über Scham, und die Täter kalkulieren damit.

Quellen

Weiterlesen: Spoofing erkennen · Unbekannte Nummern blockieren · Ping-Anrufe und Lockanrufe

Häufige Fragen

Ruft die österreichische Polizei jemals unter 133 an?

Nein. 133 ist eine reine Notrufnummer und kann nicht als Anrufernummer erscheinen. Erscheint 133 oder 112 im Display, ist der Anruf mit Sicherheit gefälscht.

Darf die Polizei Bargeld oder Schmuck zur Verwahrung abholen?

Nein, unter keinen Umständen. Es gibt in Österreich kein Verfahren, bei dem Polizei oder Staatsanwaltschaft Wertsachen zur sicheren Verwahrung abholen. Diese Behauptung ist selbst schon der Beweis für den Betrug.

Meine Bank ruft an und spricht von einer verdächtigen Abbuchung. Was tun?

Auflegen und über die Nummer auf der Rückseite Ihrer Bankomat- oder Kreditkarte selbst zurückrufen. Eine echte Bank fragt nie nach TAN, Passwort oder einer Freigabe in der Banking-App und verlangt nie eine Sicherheitsüberweisung auf ein anderes Konto.

Ich habe eine Fernwartungssoftware installiert – was jetzt?

Trennen Sie das Gerät sofort vom Internet, deinstallieren Sie die Software, ändern Sie Passwörter von einem anderen Gerät aus und sperren Sie Online-Banking-Zugänge bei Ihrer Bank. Danach Anzeige bei der Polizei.

Wo melde ich solche Anrufe in Österreich?

Die Rufnummer bei der RTR-Meldestelle für Rufnummernmissbrauch, den Vorfall bei der Polizei – bei Vermögensschaden immer. Watchlist Internet dokumentiert zusätzlich laufende Wellen.