Spoofing: Wenn die Rufnummer lügt
Redaktion Wer hat angerufen? · Veröffentlicht · Aktualisiert
Die Nummer am Display ist kein Beweis. Beim Verbindungsaufbau wird die anzuzeigende Rufnummer als Datenfeld mitgeschickt, und wer eine entsprechende Telefonanlage betreibt, kann dort eintragen, was er will. Genau das ist Spoofing. Es erklärt, warum plötzlich eine Wiener Festnetznummer, eine Behördennummer oder Ihre eigene Ortsvorwahl erscheint – und warum Rückwärtssuche und Sperrliste in diesen Fällen ins Leere greifen.
Wie verbreitet das in Österreich ist
Die RTR führt eine eigene Meldekategorie für Menschen, deren Nummer von Fremden als Absender verwendet wird. Sie ist eine der aussagekräftigsten Spoofing-Kennzahlen des Landes, weil hier nicht Empfänger, sondern die missbrauchten Anschlussinhaber melden. Für 2024 weist die RTR 8 329 Meldungen in dieser Kategorie aus – 2022 waren es 551.
| Jahr | Meldungen „Missbrauch der eigenen Rufnummer“ |
|---|---|
| 2022 | 551 |
| 2023 | 10 354 |
| 2024 | 8 329 |
Quelle: RTR-Meldestelle für Rufnummernmissbrauch. Fortlaufend im Spam-Barometer.
Diese Zahlen sind Meldungen, nicht Vorfälle – die Dunkelziffer liegt darüber, weil die meisten Betroffenen nicht wissen, dass es diese Meldekategorie gibt. Aussagekräftig ist trotzdem die Größenordnung: Spoofing ist in Österreich kein Randphänomen, sondern der Normalfall bei Betrugsanrufen.
Die drei Varianten, die Sie sehen werden
Neighbour-Spoofing. Die angezeigte Nummer hat Ihre Ortsvorwahl, manchmal die ersten Ziffern Ihres eigenen Anschlusses. Reine Psychologie: Vertrautes wird angenommen. Welche Vorwahl zu welchem Ortsnetz gehört, können Sie im Vorwahlverzeichnis nachschlagen – aber der Befund sagt nichts über den echten Standort des Anrufers.
Behörden- und Bank-Spoofing. Die Nummer einer Dienststelle, Botschaft oder Bank ist in Sekunden recherchiert und ebenso schnell gefälscht. Was danach kommt, beschreibt der Ratgeber Falsche Polizei-, Bank- und Microsoft-Anrufe.
Auslandsanrufe mit österreichischer Nummer. Der Anruf kommt aus dem Ausland ins Netz, zeigt aber eine österreichische Nummer. Bei Festnetznummern ist das technisch nicht plausibel; bei Mobilnummern existiert mit dem Roaming ein legitimer Fall, weshalb sich diese Lücke schwerer schließen lässt.
Warum Spoofing gerade in Österreich funktioniert
Österreich hat mit dem Bereich 0720 einen standortunabhängigen VoIP-Bereich, der nicht an einen Ort gebunden ist. Er ist legitim und wird von vielen Unternehmen genutzt – aber er senkt zugleich die Hürde, überhaupt an eine österreichisch aussehende Nummer zu kommen. Was dahintersteckt und wie 0720-Anrufe zu bewerten sind, behandelt der Ratgeber 0720: Warum ruft die Nummer ständig an? Wichtig ist die Unterscheidung: Ein 0720-Anruf ist nicht automatisch gefälscht, und eine gefälschte Nummer ist nicht automatisch 0720.
Anzeigen, die niemals echt sein können
Die Notrufnummern 133 (Polizei), 122 (Feuerwehr), 144 (Rettung) und 112 (europäischer Notruf) sind reine Zielrufnummern. Es gibt keinen Anschluss, der unter diesen Nummern hinauswählt – erscheint eine davon im Display, ist der Anruf mit Sicherheit manipuliert. Dasselbe gilt, wenn Ihre eigene Rufnummer als Anrufer angezeigt wird, oder wenn die Nummer eine Vorwahl trägt, die es im österreichischen Nummernplan nicht gibt.
Die einzige verlässliche Gegenmaßnahme
Auflegen und selbst zurückrufen – auf einer Nummer, die Sie unabhängig ermittelt haben: von der Rückseite Ihrer Bankomatkarte, aus einem Vertragsdokument, von der offiziellen Website der Behörde. Nicht auf die angezeigte Nummer, nicht auf eine Nummer, die der Anrufer diktiert, nicht über die Wahlwiederholung. Am Festnetz warten Sie einige Sekunden oder nutzen ein zweites Gerät, damit die alte Verbindung wirklich getrennt ist. Keine echte Bank und keine echte Behörde hat je ein Problem mit diesem Vorgehen.
Wenn Ihre Nummer missbraucht wird
Sie werden es daran merken, dass fremde Menschen zurückrufen und sich über einen Anruf beschweren, den Sie nie geführt haben. Technisch verhindern können Sie es nicht, denn die Fälschung passiert nicht auf Ihrer Leitung. Sinnvoll ist dreierlei: den Vorfall der RTR melden – wie das geht, steht im Ratgeber Rufnummernmissbrauch bei der RTR melden –, den Betreiber informieren, und vorübergehend einen Ansagetext einrichten, der Rückrufer aufklärt. Die Welle endet meist nach Tagen bis wenigen Wochen, weil die Täter die vorgetäuschte Nummer wechseln.
Quellen
- RTR – Meldestelle für Rufnummernmissbrauch und Meldestatistik
- RTR – Nummerierung und österreichischer Nummernplan
- Watchlist Internet (ÖIAT) – aktuelle Betrugswellen
Weiterlesen: Unbekannte Nummern blockieren · Wem gehört diese Nummer? · Ping-Anrufe
Häufige Fragen
Was ist Rufnummern-Spoofing?
Das Fälschen der Rufnummer, die beim Angerufenen im Display erscheint. Die anzuzeigende Nummer wird beim Verbindungsaufbau als Datenfeld mitgeschickt und lässt sich mit entsprechender Anlagentechnik frei setzen. Das Display zeigt also eine Behauptung des Anrufers, keine überprüfte Tatsache.
Warum steht meine eigene Vorwahl im Display?
Weil ein Anruf aus der Nachbarschaft häufiger angenommen wird. Die Täter setzen gezielt eine Nummer mit Ihrer Ortsvorwahl und oft ähnlichen Anfangsziffern. Das nennt sich Neighbour-Spoofing und sagt nichts darüber aus, wo der Anrufer wirklich sitzt.
Meine Nummer wird missbraucht – bin ich dafür haftbar?
Nein. Sie sind selbst betroffen, nicht verantwortlich. Die RTR führt „Missbrauch der eigenen Rufnummer“ als eigene Meldekategorie. Melden Sie den Vorgang und informieren Sie Ihren Betreiber; verhindern lässt sich die Fälschung technisch nicht bei Ihnen, weil sie nicht auf Ihrer Leitung passiert.
Welche Anzeigen sind sicher gefälscht?
Die Notrufnummern 133, 122, 144 und 112 sind reine Zielrufnummern und erscheinen nie als Anrufer. Ebenso unmöglich ist Ihre eigene Rufnummer als Anrufer sowie jede Nummer mit einer Vorwahl, die es im österreichischen Nummernplan nicht gibt.
Hilft es, die Nummer zu blockieren?
Gegen genau diese Anzeige ja, gegen den Anrufer nein – beim nächsten Versuch steht eine andere Nummer im Display. Wirksamer sind Filter für unbekannte Anrufer und netzseitige Sperren beim Betreiber.