Unbekannte Nummern blockieren: So geht's

Redaktion Wer hat angerufen? · Veröffentlicht · Aktualisiert

In Österreich hat die Abwehr unerwünschter Anrufe eine Eigenheit, die anderswo fehlt: Ein großer Teil des Spamaufkommens läuft über den standortunabhängigen Bereich 0720 und über Auslandsstrecken, und beide liefern bei jedem Versuch eine neue Absendernummer. Wer darauf mit einer Sperrliste antwortet, verliert ein Rennen, das nicht zu gewinnen ist. Sinnvoll ist eine andere Reihenfolge – erst das Kostenrisiko schließen, dann die Störung dämpfen, und die Einzelsperre zuletzt.

Schritt eins: die abgehende Sperre

Ein eingehender Anruf kostet Sie in Österreich nichts, gleichgültig woher er kommt. Teuer wird ausschließlich, was Sie selbst wählen. Deshalb ist die wirksamste einzelne Maßnahme keine Sperre für eingehende, sondern für abgehende Verbindungen: Lassen Sie bei A1, Magenta, Drei oder Ihrem MVNO Verbindungen zu Mehrwertdiensten sperren. Damit ist der Rückruf auf eine 0900- oder 0901-Nummer technisch nicht mehr möglich – die Masche im Ratgeber Ping-Anrufe läuft ins Leere, und zwar auch dann, wenn jemand anderes im Haushalt zum Hörer greift. Wer regelmäßig ins Ausland telefoniert, kann die Sperre auf Auslandsdestinationen begrenzen statt sie ganz zu setzen. Die Tarifobergrenzen, um die es dabei geht, stehen unter Was kosten 0900-, 0810- und 0820-Nummern?

Schritt zwei: eingehende Anrufe filtern statt sperren

Gegen wechselnde Absendernummern hilft keine Liste, sondern nur ein Filter, der nach einem anderen Kriterium entscheidet als nach der Nummer selbst. Am iPhone leistet das „Unbekannte Anrufer stummschalten“ in den Telefon-Einstellungen: Alles, was weder in den Kontakten steht noch aus einem eigenen Anruf oder einem Siri-Vorschlag stammt, läutet nicht mehr, sondern geht direkt auf die Mailbox. Android bietet dasselbe unter den blockierten Nummern, in der Google-Telefon-App ergänzt um eine Spam-Einstufung; bei Samsung und Xiaomi heißt die Funktion anders, liegt aber ebenfalls in den Einstellungen der Telefon-App.

Der Preis dieser Filter ist in Österreich spürbar: Ordination, Apotheke, Zustelldienst, Hausverwaltung und Ämter rufen fast nie von einer gespeicherten Nummer an. Wer die Funktion dauerhaft laufen lässt, muss die Mailbox tatsächlich abhören – sonst tauscht man Spam gegen verpasste Termine.

Schritt drei: die Einzelsperre, mit realistischen Erwartungen

Eine Nummer aus der Anrufliste zu sperren dauert Sekunden und ist sinnvoll bei einem wiederkehrenden echten Anrufer – dem Callcenter mit fester Anlage, der Agentur, die zum vierten Mal anruft. Bei Betrugswellen ist sie wirkungslos, weil die angezeigte Nummer dort häufig nicht dem Anrufer gehört. Wie verbreitet gefälschte Absendernummern in Österreich sind, zeigen die RTR-Meldezahlen im Ratgeber Spoofing.

Für den Festnetzanschluss: die Bereichssperre

An einem Router mit Telefoniefunktion oder einer kleinen Telefonanlage lassen sich Rufsperren nicht nur für einzelne Nummern setzen, sondern für ganze Nummernbereiche. Genau das passt zum österreichischen Muster: Wenn die Anrufe erkennbar aus einem bestimmten Bereich stammen, weisen Sie den Bereich ab statt jede Nummer einzeln. Welcher Bereich zu welchem Ortsnetz gehört – und welche Bereiche gar keine Ortsnetze sind –, steht im Vorwahlverzeichnis; zur Sonderrolle von 0720 siehe 0720: Warum ruft die Nummer ständig an?

Zu bedenken ist der Kollateralschaden: Eine Bereichssperre trifft auch legitime Anrufe von dort. Bei 0720 ist das keine theoretische Sorge, denn der Bereich wird von vielen seriösen österreichischen Unternehmen für ihre Telefonanlagen genutzt.

Welche Ebene wogegen hilft

MaßnahmeHilft gegenGrenze
Einzelne Nummer sperrenWiederkehrende echte Nummern, etwa ein Callcenter mit fester AnlageNutzlos, sobald die Nummer wechselt oder gefälscht ist
Unbekannte Anrufer stummschaltenJede Nummer außerhalb Ihrer Kontakte, auch beim ersten VersuchAuch Ordination, Zusteller und Amt landen auf der Mailbox
Bereichssperre an der AnlageGanze Nummernblöcke, also auch wechselnde Absender desselben BlocksTrifft auch legitime Anrufe aus diesem Ortsnetz
Sperre abgehender MehrwertdiensteKosten aus Rückrufen – die eigentliche finanzielle GefahrVerhindert kein Läuten

Daraus folgt eine unbequeme Reihenfolge: Die Maßnahme mit dem größten finanziellen Nutzen – die abgehende Sperre – ist die einzige, die am Symptom nichts ändert. Umgekehrt beseitigt die Stummschaltung unbekannter Anrufer die Störung, aber kein Kostenrisiko. Wer beides will, braucht beides.

Was mit blockierten Anrufen geschieht

Blockierte Anrufe verschwinden nicht spurlos: Am Smartphone bleiben sie in der Anrufliste gekennzeichnet stehen, Nachrichten landen in einem eigenen Mailbox-Bereich. Kontrollieren Sie diesen in den ersten Tagen nach dem Einrichten einer Sperre, damit Ihnen kein erwarteter Rückruf entgeht – etwa aus einem laufenden Behördenverfahren oder von einer Werkstatt.

Melden statt nur blockieren

Blockieren schützt Sie, ändert aber nichts an der Nummer. Die RTR kann bei Rufnummernmissbrauch die Sperre einer Nummer auftragen, die Zuteilung widerrufen und die Verrechnung untersagen – Maßnahmen, die weit über Ihren eigenen Anschluss hinausreichen. Der Meldeweg dauert wenige Minuten und ist kostenlos; er ist im Ratgeber Rufnummernmissbrauch bei der RTR melden Schritt für Schritt beschrieben.

Quellen

Weiterlesen: 0720 verstehen · Spoofing erkennen · Wem gehört diese Nummer?

Häufige Fragen

Merkt der Anrufer, dass ich ihn blockiert habe?

In der Regel nicht eindeutig. Je nach Methode hört er ein Besetztzeichen, es klingelt scheinbar durch, oder er landet auf der Mailbox. Ein technisches Signal „Sie wurden blockiert“ gibt es nicht.

Warum hilft eine Sperrliste bei Spam-Anrufen so wenig?

Weil die angezeigte Nummer bei Werbe- und Betrugsanrufen häufig gefälscht ist oder aus einem Pool stammt, aus dem beim nächsten Versuch eine andere Nummer gezogen wird. Sie sperren die Vergangenheit, nicht den Anrufer.

Kann ich eine ganze Vorwahl sperren?

Am Smartphone praktisch nicht, an einer Telefonanlage oder einem Router mit Telefoniefunktion meist schon. Bedenken Sie aber, dass Sie damit auch legitime Anrufe aus diesem Ortsnetz abweisen.

Wie verhindere ich teure Rückrufe auf Mehrwertnummern?

Lassen Sie bei Ihrem Betreiber eine Sperre für abgehende Verbindungen zu Mehrwertdiensten einrichten. Das ist der einzige Schutz, der die Kostenfalle schließt statt nur das Klingeln zu unterdrücken.

Ist „Nicht stören“ eine Alternative zum Blockieren?

Für Ruhezeiten ja. Der Modus lässt sich so einstellen, dass nur Kontakte durchkommen und wiederholte Anrufe derselben Nummer als Notfall behandelt werden. Er blockiert aber nichts dauerhaft, sondern schaltet nur den Ton ab.